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© Peter Neher

Name: Jutta W.
Muttersprache: deutsch
Beruf: Verlagsangestellte
Bezeichnung des Gegenstands: 2 Espressotassen
Meine Geschichte dazu:

Die beiden Tassen sind aus Jugoslawien. Dort verbrachten wir viele schöne Ferien, als unsere Kinder noch klein waren. Wir nahmen die lange Anreise nach Korčula gerne in Kauf, weil wir uns bei Marko wohl fühlten, abends auf seiner Terrasse mit Blick aufs Meer. Oft lud er uns zum Essen ein, seine Fischsuppe mit Reis war köstlich.
Einmal fuhren wir mit einem Jadrolinija-Schiff von Korčula nach Dubrovnik, da brachte ich die beiden Tassen in meinen Besitz. Das war in unserem letzten Jugoslawien-Urlaub, im nächsten Jahr war schon Krieg.
Zu Hause tranken mein Mann und ich unseren Kaffee nach dem Essen lange aus diesen Tassen, bis ich bemerkte, dass sie sich abnutzten. Ich stellte sie beiseite, um sie aufzuheben, eben als Souvenir.

Die Kinder wurden groß, unsere jüngere Tochter studierte Südslawistik und brachte einen Ehemann aus Kroatien mit. Bei einem Besuch der beiden fielen mir die Tassen wieder ein, die jetzt schon lange unbenutzt im Schrank standen. Heute kommen sie immer zu Ehren, wenn wir zusammen Kaffee trinken. Ich denke dann, wie sich die Dinge im Leben doch manchmal „runden“. Oft, wenn ich sie in der Hand halte, spüre ich Bitterkeit, dass es Jugoslawien wohl nicht mehr geben kann. Und ich fröstle ein bisschen, weil unser anscheinend so wohlgeordnetes Zusammenleben so fragil ist.