© Nihad Nino Pušija

Name: Hermine-Sofia U.
Muttersprache: deutsch
Beruf: Büroassistentin
Meine Geschichte:

Das Kupferbackblech oder wie ich zu meinen Ohrlöchern kam
Dieses Kupferbackblech ist eine Hinterlassenschaft meiner Großmutter. Sie wurde 1914 in Siebenbürgen geboren und hat bis zu ihrer Auswanderung nach Deutschland 1981 in einem kleinen Dorf in Siebenbürgen gelebt.
Auch ich bin in Siebenbürgen geboren und erinnere mich, jedes Mal wenn ich das Blech sehe, an den Tag, an dem ich mein erstes Ohrloch bekam. Ich war vier Jahre alt. Wanderzigeuner kamen wieder einmal in unser Dorf und brachten das Kupferblech, das meine Großmutter bei ihnen bestellt hatte. Während meine Großmutter und der Zigeuner Iancu den Preis für das Blech aushandel­ten, lief ich zu den Frauen und ihren Kindern, die inmitten ihrer Ware vor der Kirchenburg lagerten. Sie hatten auch Ohrringe im Angebot, die ich gerne haben wollte. Das Problem der nicht vorhandenen Ohrlöcher wurde schnell gelöst. Die älteste Zigeunerin stach mir, nachdem ich mutig eingewilligt hatte, mit einer langen Nadel kurzerhand ein Ohrloch. Starr vor Schreck und Schmerz fehlte mir der Mut für das zweite. Ich lief nach Hause und fing an zu weinen.
Zwei Wochen später ließ mir meine Mutter von der Dorfhebamme das zweite Loch stechen.